Neue Technik für Kanalsanierung ist noch nicht erprobt
Schwanau setzt "Fremdwasser-Projekt" fort
SCHWANAU. Für die Sanierung der kommunalen Kanäle wird ein neues technisches Verfahren gesucht. Aufgrund der
speziellen Bedingungen in Schwanau sind mehrere Testläufe erforderlich. Das kostet die Gemeinde 48.000 Euro. Der
Gemeinderat beschloss die Maßnahmen am Montag.
Die Sanierung des Kanalnetzes ist seit dem Start des Fremdwasser-Projekts 2004 ein Dauerthema. Die Eigenwasser-
Versorgung in Ottenheim, Nonnenweier und Wittenweier stellt hohe Anforderungen an Technik und Material. „Das
Grundwasser darf mit Materialien nicht in Berührung kommen“, erklärte Projektleiter Mykola Vareniuk vom Ingenieurbüro
Vogel am Montag vor dem Gemeinderat. Die seit Jahren eingesetzte „Liner-Technologie“ habe gute Dienste geleistet. Doch
an der Verbindung von Schmutzwasser-Kanal und Hausanschluss-Leitung komme es zu Freiräumen, durch die
Grundwasser eindringen könne. Die bisher eingesetzte Technik gebe es mittlerweile nicht mehr. Die Suche nach
Alternativen sei problematisch. Schwanau sei wegen seiner Sondersituation ein sehr kleiner Markt.
Für die Sanierung der Allmannsweierer Kanäle werde laut Vareniuk bereits neue Technik eingesetzt. Beim „Janßen-
Stutzen-Verfahren“ wird im Kanal Luftdruck erzeugt und das eingesetzte Harz mit einer Lichtquelle ausgehärtet. Ob das
Verfahren in den anderen Ortsteilen angewendet werden kann, soll nun getestet werden. Ein Versuch im Juli 2020 in
Karlsruhe verlief vielversprechend. Ein zweiter Test ist in einem Paderborner „Kanalversuchs-Stand“ geplant. Die
Bedingungen orientieren sich am Schwanauer Kanalnetz, Komponenten von fünf Herstellern werden verwendet. Erste
Erkenntnisse seien ermutigend. „Eine Garantie, dass es klappt, können wir nicht geben“, bedauerte Vareniuk. Kosten von
48.000 Euro fallen an. Vareniuk zeigte, dass die Sanierung eines Hutprofils 2009 noch 960 Euro kostete. Heute liegen die
Kosten bei 1.100 Euro. Eine Sanierung in offener Bauweise – mit Aufgraben des Kanals – käme mit 11.000 Euro pro
Kopfloch ungleich teurer.
„Wir sind guter Hoffnung aufgrund der bisherigen Erkenntnisse. Ziel ist, das Fremdwasserprojekt irgendwann
abzuschließen“, sagte Bürgermeister Wolfgang Brucker. Dagmar Frenk (SPD) stellte sich hinter das Büro Vogel: „Ich habe
Vertrauen in die Fachkompetenz.“ Patrick Fertig (Freie Wählervereinigung) schloss sich an: „Im Sinne der
Eigenwasserversorgung ist von uns Eigeninitiative gefragt.“ Der Gemeinderat folgte dem Verwaltungsvorschlag.
Thorsten Mühl
Foto: David Keller/pixabay